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Der orientalische Tanz
 
 
Er gilt als ältester Tanz der Welt und wird oft irrtümlicherweise als "Bauchtanz" bezeichnet. Es ist der wohl am häufigsten missverstandene Tanz. Das Wort "Bauchtanz" existiert im arabischen nicht - "Al raqs Sharqi" bedeutet lediglich: orientalischer Tanz!
 
Wellenförmig und im Takt der orientalischen Musik schlängeln sich Oberkörper, Arme, Becken und Bauch der Bauchtänzerin wie eine Einheit auf der Bühne. Verführerisch ist es, und es vermittelt vor allem Lebensfreude.
Neben der Welle gehören auch der Kreis und die Acht zu den klassischen Grundformen des Tanzes. Diese Bewegungen werden auch isoliert vorgeführt:
Nur das Becken, nur der Oberkörper oder nur der Kopf bewegen sich, der Rest des Körpers bleibt dabei still. Diese Akzentuierung besonders starker und einzelner Bewegungen wird durch intensive Trommelschläge begleitet.
Das markanteste Merkmal des Bauchtanzes bleibt aber das schnelle Schütteln des Beckens bis hin zum Zittern, das mit Fransen an den Kleidern noch betont wird. Drehungen und andere raumgreifende Schritte aus dem Ballett kamen im Laufe der Zeit hinzu.
In Ägypten, dem Ursprungsland des orientalischen Tanzes, ist er auch heute noch gern gesehen und sehr beliebt. Vor allem im Kreise der Familie oder in reinen Frauengruppen dient er als wichtiges Miteinander und Für einander. Hier wird der Tanz noch in seiner ursprünglichen Form getanzt, in den traditionellen und ziemlich weiten orientalischen Hemden, die von Männern und Frauen getragen werden. Getanzt wird barfuss und um seine eleganten Bewegungen zu betonen, bindet man sich einfach ein Tuch um die Hüfte. Die Haare werden mit Tüchern oder einem Schleier geschmückt, das Gesicht bleibt dabei immer frei.
Geschichtlich betrachtet entstand der Tanz im alten Ägypten nicht als Unterhaltung, sondern als sakraler Tanz. Erst im laufe der Kolonialisierung Ägyptens durch die Franzosen und die Engländer verlor der Tanz an Bedeutung.
Für viele Europäer hatte und hat der Tanz etwas anrüchiges, doch über den Umweg Europa verlor der Tanz zwar endgültig seinen Platz als heiliger Tanz, doch fand er aber als Ausdrucksform menschlicher Gefühle wie beispielsweise Liebe, Freude, Sehnsucht, Leidenschaft, Lebensfreude und Koketterie seinen Platz in den elegantesten Nachtlokale der 5-Sterne-Hotels in Kairo.
So erlebt der orientalische Tanz in Europa und auch in Amerika einen enormen Aufschwung. Immer mehr Frauen sind fasziniert von der Grazie und Anmut des "Raqs Sharqi" und erlernen die Kunst, dem Zuschauer einen Teil der Seele zu offenbaren.